27. January, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Heute ist ein rabenschwarzer Tag. Nicht weil es wieder einmal einer von denen ist, an dem man zu nichts Vernünftigen kommt, weil man die ganze Zeit mit idiotischen Kleinigkeiten beschäftigt ist. Nein, heute hat die EU das ACTA-Abkommen unterzeichnet. ACTA ist das Kürzel für „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“, als Handelsabkommen gegen Produktpiraterie. Aber damit hat ACTA überhaupt nichts zu tun.
ACTA ist kein Handelsabkommen, sondern ein Grundsatzabkommen zur Behandlung von allem Möglichen im Internet, über das die USA, die EU, Japan etc. unter starkem Engagement von Lobbygruppen diverser Industriebranchen seit 2007 verhandelt haben. Es geht auch nicht um gefälschte Produkte, sondern, ACTA ist da sehr ausholend, um Urheberrechte, Warenzeichen, industrielles Design und Patente. Für Vergehen sieht ACTA hohe Strafen und Kompensationen für verlorene Geschäfte vor.
Eine ganze Reihe elementarer demokratischer juristischer Prinzipien hebelt ACTA glatt aus (mehr dazu hier). Darüber hinaus wird nicht der Raubkopierer bestraft, sondern auch der, wer die Mittel zur Verbreitung von Fälschungen bereitstellt. Das bedroht vor allem Internet-Service-Provider, die ebenfalls haftbar gemacht und somit zur Internet-Zensur verpflichtet werden. ACTA ist der schwammig formulierte Rahmen für Dinge wie den US-amerikanischen Gesetzentwurf SOPA (Stop Online Piracy Act).
Die EU-Kommission hat ACTA jetzt unterzeichnet. Das bedeutet, dass als nächstes das EU-Parlament seine Zustimmung geben muss. Dann sind die nationalen Parlamente in der Europäischen Gemeinschaft dran, diese Vorgabe in ihre jeweiligen Gesetze umzusetzen. In Deutschland wird bereits erste Kritik laut, wie die „Computerwoche“ berichtet.
Das lässt dann doch wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist ACTA so schwammig formuliert, scheint sich auf alles zu beziehen. Solche Dokumente haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bieten Interpretationsspielraum. Den können die Gesetzgeber ausnutzen. Es kursiert der Verdacht, die EU habe nach ihrem anfänglichen Engagement für ACTA nicht mehr zurückrudern können und in der Folge für Verwässerung gesorgt.
Zweitens ist das Internet so, wie es ACTA vorsieht, einfach nicht mehr einer Kontrolle zu unterwerfen. In den USA hat die ACTA-Umsetzung SOPA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Wikipedia, Craigslist und Dutzende andere wichtige Englisch-sprachige Websites haben sich kürzlich für einen Tag einfach abgemeldet. Inzwischen liegt SOPA auf Eis.
Produktpiraterie einen Riegel vorschieben zu wollen ist völlig richtig. Es kann aber nicht angehen, dazu gleich den Zugang zum Internet, ein mit dem unpfändbaren Fernseher vergleichbares Kommunikationsmedium, zu beschneiden. Schon gar nicht sollten Politiker auf die Idee kommen, Firmen, nämlich Internet-Service-Provider, sollten ersatzweise das machen, was der Staat nicht darf: Zensur ausüben.
26. January, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Die Regierung (KP) des wohl knuffigsten asiatischen Landes gilt in Sachen Internet als unentspannt. Trotzdem surfen die Chinesen, dass die Breitbandkabel glühen. Gerade twitterähnliche Microblog-Dienste werden immer populärer. In ihrer heute erscheinenden Ausgabe mutmaßt die Zeitschrift Technology Review, dass die sozialen Netzwerke Kräfte entfesseln, die sich von der Kommunistischen Partei (KP) kaum noch beherrschen lassen. KNN sprach per Skype mit Professor Wang Sixin von der Universität für Kommunikation in Peking (KP).
KNN: Sehr geehrter Professor Sixin, wir…
Prof.: Professor Wang, wenn ich bitten darf. Sixin ist mein Vorname. In Europa ist die Reihenfolge von Vor- und Nachname falsch.
KNN: Aber „vor“ bedeutet doch, dass etwas vor dem steht, was anschließend kommt! Also „vor“ ist zuerst und „nach“ da-nach!
Prof.: Das ist eine sehr eurozentrische Sichtweise. In Wirklichkeit existieren vor und nach an einem ausdehnungslosen Ort, so wie der Punkt, und können aus der räumlichen Gleichwertigkeit nicht bedenkenlos in eine zeitliche Hierachie überführt werden.
KNN: Aber Moment mal, das tun Sie doch auch, wenn sie behaupten, der Nachname sei der Vorname!
Prof.: Irrtum. Ich habe behauptet, dass der Familienname zuerst steht.
KNN: Nein, Sie haben gesagt, dass in Europa die Reihenfolge von Vor- und Nachname falsch ist.
Prof.: Und - ist sie das nicht?
KNN: Ja, schön, bitte. Behalten Sie ruhig Recht. Kommen wir zum Thema. Das Bloggen mit 140 Zeichen erlebt in China derzeit einen großen Triumphzug. Haben Sie Zahlen?
Prof.: In China existieren die Zahlen 0 bis 9, die zu unendlich großen Zahlen zusammengesetzt werden können, außerdem negative Zahlen und irrationale Zahlen und…
KNN: Wir meinten Microblog-Nutzerzahlen.
Prof.: Ach so. Drücken Sie sich präzise aus, dann antworte ich Ihnen präzise. Also: 2011 gab es einen Nutzeranstieg von 296% auf fast 250 Millionen. Die größten Anbieter dieser Dienste sprechen sogar davon, jeweils über 200 Millionen Nutzer zu haben.
KNN: Wie heißen diese Dienste?
Prof.: Der Oberbegriff für Microblogs ist Weibo. Die größten Anbieter sind Sina, Tencent und Kein Provider (KP).
KNN: Wann begann das Phänomen in China?
Prof.: Im Mai 2007 präsentierte die Firma Fanfou eine solide Twitterkopie. Twitter ist in China blockiert, müssen Sie wissen.
KNN: Und warum werden die anderen Dienste nicht auch blockiert?
Prof.: Na, das wäre dann zu schlecht für’s Image der Regierung, und die landeseigenen Dienste können ja leichter kontrolliert werden. Sie müssen wissen: Internet in China ist eine sehr selbstreferentielle Sache. Nur 6% der Websites verlinken zu Sites außerhalb des Landes.
KNN: Wie funktioniert die Kontrolle?
Prof.: Es gibt ein ausgefuchstes Regelwerk, eine ganze Behörde und geschätzte 30.000 Kontroll-Polizisten (KPs). Die arbeiten mit Schlagwortlisten aber auch rein manuell. Natürlich nicht nur gegen Kinderpornografie (KP). Die Existenz dieser Polizisten hält viele zur persönlichen Kontrolle (PK) an. So beschäftigen Betreiber von Websites interne „big mamas“, die vor allem heikle Forum-Kommentare (Kommentarparasiten = KPs) löschen, bevor die ganze Homepage gesperrt wird.
KNN: Die Weibos gelten aber irgendwie als freier, als schwerer zu kontrollieren. Stimmt das?
Prof.: Durch Weibos wurden einige Vorfälle zu öffentlichen Skandalen und Kontroversen: Die Ürümqi Unruhen, der Li Gang Unfall, das Zugunglück von Wenzhou, das Feuer in Shanghai. Das hat ihnen den Ruf eingetragen, besonders effizient für Regimekritik zu sein. Von diesem Image abgesehen: Microblogging geht halt schnell und erreicht viele. Man spricht in der KP von einem Kontrollproblem (KP).
KNN: Könnte es durch Microblogging zu einer Revolution in China kommen?
Prof.: Klar – da müssen ein paar Leute nur oft genug „Umsturz“ auf Mandarin oder Apfelsin in die Tasten tippen, schon kippt der ganze Staatsapparat um.
KNN: Meinen Sie das ernst?
Prof.: Na, vorher ist man immer schlauer.
KNN: Es heißt „nachher“.
26. January, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Offenbar macht sich bei den bisher vornehmlich proprietär aufgestellten Cloud-Anbietern die Erkenntnis breit, dass sie auf dem Holzweg sind, solange Anwender spüren, dass ihnen ein Vendor Lock-in droht. Der Cloud-Markt ist global weit von dem entfernt, was die Marktanalysten unisono prognostiziert haben, in Deutschland sogar meilenweit. Jeder weiß inzwischen, dass Cloud Computing nicht nur finanziell unschlagbar günstig ist, sondern vor allem mehr Flexibilität und Agilität bringt. Aber die Anwender sind keineswegs bereit, sich für diese Vorteile in die Abhängigkeit von Herstellern zu begeben. Die Anbieter haben es zu spüren bekommen; sie sind zunehmend bereit zu reagieren.
Zuerst war da im April 2009 ein herzlich unverbindliches „Open Cloud Manifesto“, ohne jede konkrete Ansage, wie die angestrebte Offenheit von Clouds erreicht werden soll. Entsprechend lang ist die Liste der Unterzeichner, die nach der Unterschrift wohl gleich wieder zum Tagesgeschäft wie gehabt übergegangen sind.
Zwei Jahre später, vor gerade neun Monaten, ist dann der angesehenen, aber behäbigen Standardisierungsgremium Institute of Electrical and Electronical Engineers (IEEE) der Kragen geplatzt. „Ohne ein flexibles, gemeinsames Rahmenwerk für Interoperabilität, könnte Innovation aufgehalten werden und uns ein System von Silos hinterlassen.“ Deswegen startete die Organisation eine „Cloud Computing Initiative“, die in zwei „Working Groups“ an Standards für Cloud-Portabilität und Interoperabilität arbeitet.
Das IEEE erklärte damals, es wolle „Fragmentierung minimieren und sicherstellen, dass Cloud Computing sein gesamtes Potenzial erschließt“. Offenbar macht sich auch unter den Cloud-Anbietern langsam die Erkenntnis breit, dass sie sich mit ihren bisherigen Versuchen, Anwender in ein Cloud-Vendor Lock-in zu verlocken, auf Dauer den Erfolg verbauen.
So eine Cloud-Anbieter-Gemeinschaft hat die Welt noch nicht gesehen: 3M, ASG Software (die Visionapp-Muttergesellschaft), CA Technologies, Capgemini, Cisco, Citrix, EMC, Gale Technologies, IBM, Jericho Systems, Morphlabs, NetApp, PwC, Red Hat, SAP, Software AG, Telus, Virtunomic und WS02. Die alle stehen nun hinter einer Initiative der OASIS, der Organization for the Advancement of Structured Information Standards. Unter dem Namen „Topology and Orchestration Specification for Cloud Applications, kurz Tosca, wollen sie Interoperabilitätsstandards erarbeiten, auf dessen Basis sich Cloud-Applikationen zwischen verschiedenen Providern verschieben lassen.
Nun weiß jeder IT-historisch erfahrener Beobachter, besonders ein Kenner der Unix-Geschichte, dass das mit den offenen Standards so eine Sache ist. Standards sind Papierdokumente, und man muss nicht einmal böswillig sein, um die Texte ein wenig anders zu lesen. Jeder hat anschließend das „Open“-Label auf der Software, aber keiner ist es – solange es keine Referenzimplementierung mit einsichtbarem Sourcecode gibt (deswegen ist Open Source so wichtig).
Genau mit der altbackenen Taktik könnten es die genannten Hersteller natürlich auch jetzt wieder probieren. Aber dann werden sie ihr Problem nicht lösen, weil die Anwender seit Unix-Zeiten sensibler geworden sind. Finten verfangen nicht mehr so gut. Deswegen ist eher anzunehmen, dass sie die Sache ernst angehen. Wenn sie es tun, werden es die Anwender honorieren.
Dann werden einige namhafte Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und Oracle, die jetzt noch nicht bei der Tosca-Initiative dabei sind, auch die Zeichen der Zeit erkennen: Vendor Lock-in hat für alle Zeit in der IT keine Zukunft mehr.
25. January, Nina Haering, tarent
Unter dem Motto: “Programmieren lernen ist kinderleicht” findet am 26.04.2012 in der Bonner und in der Berliner Niederlassung der tarent der Girls Day statt.
Wir freuen uns, dass immer mehr Mädchen Interesse an IT-Berufen haben und bieten ihnen am Girls Day mit einem freedroidz Workshop den Einstieg in die Software-Welt.
Als Basis kommen Lego Mindstorms NXT Roboter zum Einsatz, welche in der Programmiersprache Java programmiert werden. Mit den Robotern wird dann Schritt für Schritt erarbeitet, was eine Programmiersprache ist und wie man eine Entwicklungsumgebung bedienen muss. Am Ende des Tages kennt jede Teilnehmerin die wichtigsten Grundlagen von Anwendungsentwicklung.
Wenn Du also lernen willst, wie Du den kleinen Roboter einen Kreis fahren lassen kannst, Du wissen willst, was das Wort „frei“ im Zusammenhang mit Software bedeutet oder Dich interessiert was alles hinter Programmierung steht, dann meld Dich bei uns für den Girls’ Day an! Hier gehts zur Anmeldung.
freedroidz ist ein Nonprofit-Projekt, dass 2007 von der tarent solutions GmbH gegründet wurde, welche dem Projekt die Hardware und die Mitarbeiter bereitstellt, damit Workshops mit Schülern und Schülerinnen erst möglich werden.
24. January, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Offener Sourcecode ist zwar ein Argument, wird aber keinem Anwender für eine Kaufentscheidung reichen. Es liegt auf der Hand, dass Open-Source-Software mehr braucht, um am Markt anzukommen. Und das geht weit über Produkt-Features hinaus. Dies hat Florian Weikert durch eine Internet-Umfrage für seine Bachelor-Arbeit „Product Features in Commercial Open Source Software“ in Erfahrung gebracht. Sie lässt sich als PDF downloaden von der Website der Open Source Research Group von Professor Dirk Riehle an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.
Leider war die Teilnahme an der Umfrage sehr schwach. Von den 37 Antworten ließen sich etliche nicht auswerten, weil sie sehr unvollständig waren. Es blieben eigentlich nur die Erklärungen von Softwarehersteller, weil es von Service-Providern und Distributoren zu wenig Feedback gab.
Hersteller von Open-Source-Software schätzen Maintenance, Updates, Garantieerklärungen zur Funktionalität, Features, einfachen Support, Anwenderschulung vor Ort, Installation und Konfiguration sowie Integration als besonders wichtige Produkteigenschaften ein. Als weitgehend irrelevant gelten Non-copyleft-Anwendungsrechte, „Indemnification“ (zum Schutz vor Klagen Dritter), die Zertifizierung von Entwicklung und Prozessen sowie Hosting. Auch beim Gegenchecking, der Analyse, welche Kombinationen von Produkteigenschaften die meisten der Befragten favorisierten, fand sich im Prinzip das gleiche Ergebnis.
Die Basis der Untersuchung ist allerdings zu schmal, um als wirklich fundierte Auskunft gelten zu können. Die Ergebnisse entsprechen dem, was wohl jeder erwarten würde, der ein paar Jahre das Open-Source-Business beobachtet. Der Autor Weikert sieht in seiner Studie auch prompt nicht mehr als eine Grundlage für intensivere Analysen. Immerhin: Der methodische Anfang ist gemacht.
19. January, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Gestern streikten mehrere Online-Dienste gegen die geplanten US-Gesetze PIPA (Protect IP Act) und SOPA (span.: Suppe {f.}). Am Streik beteiligte sich auch die englischsprachige Version des Online-Lexikons Wikipedia. Den ganzen Tag lang fand sich statt der informativen Artikel eine schwarze Protestseite. Damit sollte darauf hingewiesen werden, dass die zum Schutz der Urherberrechte geplanten US-Gesetze als Grundlage einer Zensur-Infrastruktur begriffen werden sollten. Bei Schülerinnen und Studentinnen (generisches Femininum) kam es dadurch allerdings zu großen persönlichen Krisen.
18.1.2012, mittags in Washington D.C. Die Studenten (generisches Neutrum) Peter, Paul und Mary (alle 21) wissen weder ein noch aus. Morgen sollen sie in ihrem Hauptfach Geschichte ein Referat über die napoleonische Außenpolitik (Russland, Preußen, Elba, St. Helena) halten. Aber ihr bevorzugter Abschreibedienst ist „irgendwie kaputt“.
„Ausgerechnet jetzt“, jammert Peter. „Dabei haben wir einen ganzen halben Tag eingeplant, um in Ruhe das Referat vorzubereiten.“ Paul zeigt sich technisch interessiert: „Erst dachte ich, es ist etwas mit unserem Computer, dem Monitor vielleicht. Aber dann haben wir es an einem anderen Rechner versucht – und wieder alles dunkel.“
Auf die Frage, ob sie es nicht mit einer Bibliothek versuchen wollen, äußert sich Mary skeptisch: „Aber in meinem Kindle ist doch gar kein Aufsatz über Napoleon gespeichert.“
Peter ergänzt: „Und falls Sie diese coolen Häuser voller Papierbücher meinen – das dauert doch Tage.“
Wie den Dreien geht es Vielen in der englischsprachigen Welt. So steht auch der Schüler William (17) in Glasgow vor einem gewaltigen Problem. „Morgen schreiben wir in Erde einen Test über tektonische Plattenverschiebung, und jetzt funktioniert Wiki nicht. Am Ende muss ich mit meinem Vater reden, der den Kram vor Jahren mal offline gelernt hat. Das finde ich echt unpornös.“
Auch in Deutschland sorgt man sich. „Soll ich mir vielleicht das ganze Wikipedia sicherheitshalber downloaden?“, fragt sich zum Beispiel der Politikwissenschaftsstudent Max. „Wie viel Speicherplatz ich da wohl brauche? Bestimmt 100 USB-Sticks, oder so. Und wann soll ich das machen? Ich habe 567 Freunde bei facebook. Soll ich die vernachlässigen, weil da irgend so ein Stress in der Politik abgeht?“
Die deutsche Politik zeigt sich von den US-Querelen unbeeindruckt. Guido Westerwelle, Noch-Bundesminister des Aus- und Widerwärtigen, legt den Begriff „liberal“ nach wie vor sehr liberal aus und stellte sich am Sonntag klar auf die Seite der Monopolinhaber. Die Piratenpartei hingegen verschlief laut einem knallharten Investigativ-Journalisten der FAZ den Protesttag.
Unterdessen haben jedoch wackere Tüftlerinnen in extremen Spezialisten-Blogs das komplexe Wikipedia-Problem für ihre Englisch sprechenden Kollegen gelöst: „He ihrs! JavaScript aus, oder gleich NoScript an. Dann klappt’s auch mit den Artikeln.“ Es bleibt zu hoffen, dass Peter, Paul und Mary ihr Referat noch rechtzeitig fertig stellen konnten.
12. January, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Wirkt Ihr Rechner lustlos und schlapp und arbeitet nur mit halber Kraft? Schuld könnte ein Virus sein. Gerade in der nasskalten Jahreszeit greifen die tückischen Schädlinge um sich. KNN bietet Ihnen einen umfassenden Test: Wie sauber ist mein Rechner?
1. Mein Rechner ist a) ein PC oder b) natürlich von Apple oder c) eins von beiden und läuft mit Linux.
a) Obacht! Und weiter bei 2.
b) Vor Apple ekeln sich sogar Viren. Aber nicht alle. Sicherheitshalber weiter bei 2.
c) Sie haben vermutlich ganz andere Probleme als Virenbefall. Aber wenigstens lösen Sie Ihre Probleme selbst. Zeit für diesen Test bliebt Ihnen da sicher kaum.
2. Es steht a) ein Pferd auf dem Flur oder b) kein Pferd auf dem Flur.
a) Vorsicht! Es könnte sich um einen Trojaner handeln. Weiter bei 3.
b) Kein Grund zur Sorge, aber sicherheitshalber weiter bei 3.
3. Wenn Sie den Rechner anschalten geht er a) nicht an oder b) an.
a) Alarm! Ihr Rechner könnte von einem Virus befallen sein. Überprüfen Sie die Stromverbindung, dann weiter bei 4.
b) Bisher alles unter Kontrolle. Lesen Sie entspannt weiter bei 4.
4. Auf ihrem Display erscheint a) ein Kind und hält Ihnen grinsend Wurzeln vor die Nase oder b) nichts besonderes.
a) Oha! Sie haben höchstwahrscheinlich Besuch von einem verschlagenen Rootkid. Da hilft nur eins: das Betriebssystem neu aufsetzen. Dann weiter bei 5.
b) Alles easy. Aber schauen Sie doch mal bei 5 vorbei.
5. Sie sind a) SPIEGEL-Leser oder b) doch nicht bekloppt oder c) ja, aber nur online.
a) Potzblitz! Ihr Computer gehört mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem der rund 33.000 Rechner, die das von „Cyber-Gangstern” erschaffene „Zombie-Netzwerk“ aufrufen, das von der FBI „sichergestellt“ wurde. Um zu sehen, ob der DNS-Changer auch Ihnen heimleuchtet, gehen Sie sofort auf die vom BSI und der Deutschen Telekom betriebene Sit www.dns-ok.de und überlasten Sie zusammen mit Millionen anderen deren Server.
b) Vielleicht lesen Sie Ihre IT-News lieber auf heise? Dann fürchten Sie sich nicht vor dem DNS-Changer, sondern davor, sich auf www.dns-ok.de einen Bundestrojaner einzufangen. Nur weil man paranoid ist, heißt das ja nicht, dass sie nicht hinter einem her sind.
c) na, nur dort stand doch die Sache mit dem „Zombie-Netzwerk“. Lesen Sie einfach a) wie alle anderen und halten Sie sich nicht ständig für was Besseres.
Sollten nach diesem umfangreichen Test auf Ihrem Rechner immer noch Schadstoffe sein, dann wenden Sie sich bitte an die Schadstoffzentrale der FAZ.
05. January, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Kommunismus und Konsumismus – das klingt so nahe beieinander, und doch geht es bei Ersterem vorrangig um die Erziehung des Menschen über den Weg der Ökonomie und bei Zweiterem um die Erziehung des Menschen für die Ökonomie. Der ungebildete Beobachter beider Systeme mag den Eindruck erhalten, dass die Menschen hier wie dort vor allem an Geld und die damit zu kaufenden Produkte denken. Doch während sich die im Mangel lebenden Kubaner tatsächlich täglich fragen, warum es zum Beispiel in der Eisdiele nur zwei Sorten gibt, die auch noch beide gleich schmecken, ist man im reichen und sicheren Deutschland frei genug, sich über wirklich wichtige Dinge Gedanken zu machen. So entspinnt sich bereits auf dem Rückflug in die freie Welt der mündigen Verbraucher im KNN-Team ein philosophischer Dialog über Grundsätzliches.
KNN1: He, zeig mal. Du hast ja schon das neue Galaxy Nexus i9250.
KNN2: Klar. Kommt ab Werk mit Android 4.x
KNN1: Endlich! Und, neue Killerfeatures?
KNN2: Nicht unbedingt. Resizable Widgets und Ordnergruppen hatte ich schon vorher, aber halt als App. Aber Face-Unlock ist cool.
KNN1: Face-Unlock??
KNN2: Ich kann mein Smartphone mit einem Lächeln entsperren.
KNN1: Und wenn du richtig Scheiße drauf bist?
KNN2: Ja, Mist. Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Zumindest läuft 4.x sowohl auf Tablets als auch auf Smartphones, das ist ja wohl was Neues.
KNN1: Neid! Mit meinem HTC Hero habe ich gerade mal Android 2.1. drauf. Und das hat ewig gedauert, wegen dem Branding bei T-Mobile.
KNN2: Du hast noch ein Hero? Alter, das ist ja Steinzeit.
KNN1: Na und? Ich finde, dass die Nachfolgemodelle Legend, Magic, Rezound, Rhyme, Salsa, Sensation, Sensation XE und Sensation XL nicht soviel Spannendes gebracht haben.
KNN2: Was hältst du denn vom Wildfire?
KNN1: Wenn schon, dann das Wildfire S, da ist statt 2.1 immerhin 2.3.3. drauf.
KNN2: Stimmt, aber ich frage mich manchmal, ob da das Ansprechverhalten auf Dauer meinen Ansprüchen genügen würde.
KNN1: Das finde ich ja beim P990 Optimus Speed ziemlich gut. Und da ist immerhin 2.2 drauf.
KNN2: Naja, aber die Displayverarbeitung. Da kommt doch sofort Dreck rein. Dann doch lieber ein Racer oder Crescent.
KNN1: Nicht eher ein Backflip, Flipout oder DroidPro?
KNN2: Nee, dann doch wohl ein Milestone XT720 oder ein Milestone 2.
KNN1: Na, wenn du so anfängst, warum dann kein beTouch E400, ein Stream S110 oder ein Liquid E? Wenn nicht sogar ein U8510 oder U8650?
KNN2: Das ist doch noch X3, es gibt doch längst X5.
KNN1: Ach, du meinst das U8800? Und warum nicht eher ein Nüvifone A50?
KNN2: Das kannste maximal bis 2.1 upgraden.
KNN1: Ach echt? Nee, dann…
04. January, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
„Während es in der letzten Dekade um Open Source ging, wird es in der nächsten um offene APIs gehen.“ Mit diesem Satz beginnt ein Blog-Eintrag von Matt Asay auf „The Register“. Kompliment, auf diese krasse Art sollte ein Beitrag beginnen,der Verfasser buhlt ja schließlich um Leser. Und dass Asay gut schreiben und reden kann, hat er schon als Manager bei Novell, Alfresco und Canonical gezeigt. Der hat kein Problem damit, sich immer wieder weit aus dem Fenster zu hängen.
Diese Art als Self-Marketing abzutun wäre allerdings doch zu simpel. Denn Asay hat gute Gründe vorzuführen. Er hat es nicht schwer, reihenweise Analysten und andere Marktkenner zu zitieren, dass erstens zunehmend Services die IT beschäftigen. So neu ist das nicht. Wie lange dreht sich die IT-Welt schon um Service Management und die IT Infrastructure Library ITIL? Zweitens bedeuten aber Services etwas anderes als Software; denn sie werden über Anwendungsprogrammier-Schnittstellen, über APIs, bezogen.
APIs sind es, die Services zugänglich machen. Es nimmt nicht Wunder, dass seit etlichen Jahren Firmen, die ihrer IT eine Service-Orientierung geben, massiv an APIs arbeiten. Devise: Nicht Applikationen voraussetzen, nicht alle Anwendungen an all die verschiedenen Geräte anpassen, sondern den Geräten über APIs Zugang zu Softwareservices geben. Asay: „Minimaler Aufwand, maximale Produktivität.“ Das gilt nicht nur für den unternehmensinternen IT-Betrieb, sondern auch für die Integration von Partnern und Kunden.
Funktionieren wird eine solche Orientierung nur, wenn auf offene APIs gesetzt wird. Geschlossene Welten schließen immer andere aus – was dem Service-Ansatz Tiefe nimmt. Es bedarf also einer Standardisierung der APIs. Das ist erst recht wichtig, wenn man über einigermaßen überschaubare Systeme, beispielsweise eines Unternehmens, hinaus an Cloud Computing denkt.
Clouds sind dominiert von proprietären APIs. Ein paar Ansätze zu Offenheit gibt es. Die noch junge Open Cloud Initiative verlangt offene APIs. Auf dem Weg in die Richtung ist das Softwareprojekt OpenStack, in dem auf Anregung von Rackspace und Nasa unter anderem AMD, Citrix, Dell, HP und Intel dabei sind. Es soll eine Open-Source-Alternative zu den proprietären APIs der verschiedenen Cloud-Anbieter schaffen, wobei offenbar insbesondere das Google-Angebot und die Amazon Web Services (AWS) in Richtung größerer Offenheit gedrängt werden sollen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die heute fast durch die Bank mit proprietären APIs daherkommenden Cloud-Anbietern sich öffnen werden, wenn erst die Anfangsinvestitionen eingenommen sind. Offenheit wird das entscheidende Marketing-Argument im Cloud-Computing. Bis dahin aber wird es noch etwas dauern. Auch mit der Bestätigung für die Asay-These, offene APIs würden wichtiger als Open Source.
Cloud Computing ist sind gerade erst aus seiner infantilen, von viel Euphorie begleiteten, ersten Phase herausgewachsen. Im Gartner Hype-Cycle hat es den Hype-Peak hinter sich und beginnt nun den steilen Rutsch abwärts in das „Tal der Desillusionierung“. Nach einiger Zeit unten angekommen wird Cloud Computing langsam einer normaler Teil der IT-Welt. Diese Talsohle und dieser Wendepunkt wird markiert von einem Begriff: Open APIs. Vielleicht auch Open Cloud.
Aber erstens wird bis dahin Open Source ohnehin die Entwicklung der IT prägen, und zwar noch stärker als bisher. Zweitens wird auch danach das Fundament des Cloud Computing das sein, was es heute schon ist: Open Source. Diese zwei Aspekte hat Asay übersehen. Kann passieren.
28. December, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Noch immer stehen wir in der Schlange vor dem Cinema „Charles Chaplin“. Mittlerweile ist es 23.30 Uhr, der Film hat längst angefangen, ein Drittel der Schaulustigen ist nicht hinein gekommen, murrt nun aber auf der Straße. Darunter unser Interviewpartner Rolando Ronaldo Masomenos Speedy Gonzalez: „Wir bekommen keinen ordentlichen Lohn, wir bekommen kein ordentliches Essen und jetzt bekommen wir noch nicht mal unseren verdammten Zombiefilm!“ Das sehen viele Andere genau so. Und: Der Protest hat Wirkung. Kurzerhand wird eine zweite Vorführung für Mitternacht anberaumt. Wir haben Zeit, das Interview fortzusetzen.
KNN: Also, wie geht es normalerweise nach dem Studium weiter?
Rolando: Zwei Jahre „servicio social“. Ich habe in dieser Zeit Software für eine militärische Einrichtung entwickelt. Eine eher angespannte Atmosphäre irgendwo zwischen Paranoia und berechtigter Sorge, dass die USA mal wieder versuchen per CIA unser Land zu…äh…befreien.
KNN: Und jetzt?
Rolando: Arbeite ich für eine Unterabteilung des Gesundheitsministeriums. Ich betreue „InfoMed“, ein Mediziner-Intranet mit News, Artikeln, Forum. Das gefällt mir ganz gut. Wie bei diesen offiziellen Stellen üblich, verdiene ich 400 moneda nacional im Monat.
KNN: Damit kannst du dir am Straßenstand 40 kalte perros caliente kaufen.
Rolando: Ja, jeden Tag einen und Sonntags auch mal zwei. Ich muss achtgeben, dass ich nicht fett werde.
KNN: Das klingt etwas bitter.
Rolando: No es fácil, amigos. Nach Feierabend muss ich eben etwas dazu verdienen. Hier eine Homepage für ein Privatrestaurant, da ein kleiner Privatdeal.
KNN: Ist das legal?
Rolando: Mal so, mal so, weil bei Devisengeld die Devise gilt: legal, illegal, scheißegal. Zur Zeit geht es mir aber recht gut.
KNN: Wieso?
Rolando: Weil ich eine deutsche Freundin habe. Für die ist es kein Problem, mal eine Maus springen zu lassen.
KNN: Das klingt aber unromantisch ökonomisch.
Rolando: Es ist eben ein Teil der kubanischen Realität. Spielt in Deutschland die Ökonomie bei Beziehungen keine Rolle?
KNN: Doch, aber man spricht nicht darüber. Glaubst du denn, dass deine Freundin in dieser Hinsicht naiv ist?
Rolando: Wir sprechen nicht darüber. Haha. Nein, nein, sie gehört nicht zu den Mädels, die hier zum „Tanzen“ hinkommen, dann ein Patenkind adoptieren und Sachen sagen wie: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine…
KNN: Aufhören! Sag uns lieber, wie du die Zukunft der IT in Kuba einschätzt.
Rolando: Die zweiten Computer-Inder werden wir wohl nicht. Unsere Ausbildung ist recht solide, aber es hapert am Englisch und an ausländischen Investoren.
KNN: Wieso gibt es keine?
Rolando: Es gibt schon durchaus Interessierte. Klar: Schlaue Leute in einem Niedriglohnland. Aber US-Unternehmen ist es von ihrer eigenen Regierung verboten, hier zu investieren. Die USA haben das sogar allen möglichen anderen Ländern verboten, setzen da aber dieses Verbot gnädigerweise halbjährlich aus.
KNN: Nee, oder?
Rolando: Si, claro. Wir sind ja ein Top-Terrorstaat. Wir haben über 600 Anschläge zu verzeichnen.
KNN: Echt?
Rolando: Ja, durch die USA auf Fidel Castro. Sonst ist mir nix bekannt. Aber das könnt ihr ja selbst recherchieren. Sonst denkt ihr, ich verzapfe kubanische Propaganda. Und ich möchte noch etwas loswerden.
KNN: Nur zu.
Rolando: Ich habe in Internetzeitungen gelesen, dass in Deutschland Kuba oft herhalten muss, um zu demonstrieren, dass Sozialismus und Kommunismus nicht funktionieren. Was für eine Zumutung Kuba vor der Revolution gewesen ist, interessiert scheinbar niemanden. Auch nicht, dass wir im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern immer noch sehr gut dastehen. In Bezug auf Alphabetisierung und Gesundheitssystem sogar deutlich besser als die USA. Ich habe gehört, dass der Kapitalismus da auch nicht immer so gut funktioniert.
KNN: Reden wir nicht über die USA, reden wir über Kuba.
Rolando: Gut. Ich will gar nicht leugnen, dass es große hausgemachte Probleme gibt: Restriktionen durch die kubanische Regierung, eine kafkaeske Bürokratie, Zensur, beschränkter Internetzugang, alte Männer, die eh alles besser wissen, eine miese Infrastruktur und die Mentalität vieler Kubaner. Wir sind vermutlich Weltmeister im Durchwursteln, aber keine effizienz-optimierten „Wo-sehe-ich-mich-in-5-Jahren“-Strategen.
KNN: Glaubst du trotzdem an eine bessere Zukunft?
Rolando: Wenn bei uns viele kleine Leute an vielen kleinen Orten…
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Nachtrag: „Juan de los muertos“ ist ein freundlicher Gewaltspaß von internationalem Format. Die anwesende Jugend und uns hat er hellauf begeistert. Halb Havanna wird in Schutt und Asche gelegt, darunter Wahrzeichen wie das Capitolio. Weitere Glanzlichter: Propagandaplakate wie „patria o muerte“ als Hintergrund für schlurfende Zombiehorden („Dissidenten, alles Dissidenten“), ein Ami auf dem Platz der Revolution der die „Erlösung vom Bösen“ verkündet und die Frage des Protagonisten, ob sich seit der Zombieinvasion in Havanna eigentlich viel verändert hat. Außerdem erhält das alte Motiv mit dem Auto, dass nicht anspringt, wenn Monster kommen, endlich einen neuen Dreh: Vier Kubaner sitzen im Auto, aber keiner hat einen Führerschein. Ein paar Tage später treffen wir auf einer kleinen Fiesta einen Kammeramann der Produktion. Mit ordentlicher Rumfahne zwitschert er uns: „Ein politischer Film? Iwo. Wir wollten nur Spaß haben und zeigen, wie es gerade in Kuba zugeht. Viva la Stagnaciòn, oder wie das heißt.“
23. December, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Das Cinema „Charles Chaplin“ am Ende der Flaniermeile „La Rampa“. 20.00 Uhr: Die Menschenschlange windet sich um zwei Häuserblocks, überwacht von einem Aufgebot grimmig dreinblickender Polizisten. Um 22.30 Uhr startet „Juan de los muertos“, der erste kubanische Zombiefilm, der obendrein in Havanna spielt. Die Jugend der Stadt steht kopf und folglich Schlange. Darunter auch Rolando Ronaldo Masomenos Speedy Gonzalez, ein 26jähriger Informatiker. Bei fritierten Nudeln und grün umbüchstem Bier interviewen wir den Wartenden, der in seinem Traum-Theater-T-Shirt interessanterweise dem Stereotyp des deutschen Informatikstudenten erstaunlich nahe kommt.
KNN: Hallo. Lange Schlange, was?
Rolando: Da hättet ihr mal die Schlange sehen sollen, als es 1991 in der Calle Opisbo Äpfel und Binden gab.
KNN: Echt jetzt?
Rolando: Kleiner Spaß. Aber Anstehen ist für mich nichts Neues.
KNN: Du bist Informatiker. Spielt Informatik überhaupt eine Rolle in Kuba?
Rolando: Aber Hallo. Habt ihr nicht den letzten Blogeintrag bei KNN gelesen? 2002 hat Fidel Castro die Softwareentwicklung als wichtigen Wirtschaftspfeiler ausgerufen. In Havanna studieren rund 10.000 Menschen an 10 Fakultäten Informatik. Ich gehöre zur dritten Generation.
KNN: Erzähl uns doch ein bisschen über das Studium.
Rolando: Es dauert 5 Jahre. Wie in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen wird man zunächst in Mathematik, Physik, Ökonomie und Wissenschaftsphilosophie unterrichtet.
KNN: Wissenschaftsphilosophie? Das klingt interessant.
Rolando: Ist aber für den Arsch. Und die Mathematik ist weitgehend diskret. Also Psst!
KNN: Und sonst so?
Rolando: Ich habe einiges über Datenbanken gelernt, MySQL und Oracle zum Beispiel. Und über Systemadministration. Und natürlich Programmiersprachen.
KNN: Welche?
Rolando: Für Webprogrammierung Java Script, PHP, CSS, HTML, XML. Ansonsten Java, Che++ und Che#.
KNN: Das klingt doch recht modern.
Rolando: Danke. Ich weiß paternalistisches Lob immer sehr zu schätzen. Den chinesischen Markt rollen wir aber seltsamerweise trotzdem nicht auf.
KNN: Sonst noch was, was unsere Leser in Deutschland über das kubanische Informatikstudium wissen sollten?
Rolando: Es gibt noch die Fächer Teleinformación, Inteligencia Arteficial und Programación Logica, die vor wenigen Jahren die Programación Alogica abgelöst hat. Das Studium ist kostenlos, aber die Studenten müssen oft unbezahlt für die Uni oder einen anderen staatlichen Betrieb arbeiten. Das Schlagwort dazu ist „Solidarität“.
KNN: Klingt nach Ausbeutung.
Rolando: Ach, in Deutschland bekommt man das Studium geschenkt?
KNN: Nee, es kostet in der Regel Geld. Und während oder nach dem Studium arbeitet man für kein oder wenig Geld für private Firmen, weil das angeblich dem Lebenslauf nutzt.
Rolando: Klingt nach Ausbeutung.
KNN: Es heißt aber Praktikum. Wie geht es denn für die Informatiker in Kuba nach dem Studium weiter?
Rolando: Das erfahren die Leserinnen und Leser von KNN nächste Woche. He, schau mal, da vorne drängeln sich schon wieder so ein paar Halbstarke dazwischen. Verflixte Asozialisten, euch werde ich heimleuchten!
22. December, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Breitbandversorgung dürfte in diesem Jahr einer der beliebtesten technischen Begriffe von Politikern gewesen sein. Getan hat sich gleichwohl nicht viel, egal ob drahtlos oder leitungsgebunden. Man schaue sich dazu beispielsweise einmal den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an. Gleich nördlich des Münchner Autobahnrings A99 können die Leute schon froh sein, wenn sie mit 2 Mbit/s ins Internet kommen. 6 Mbit/s gibt es nur in den Kleinstädten. Rauf Richtung Regensburg, in der Hallertau, wird gespottet, die gelbe Post sei schneller als E-Mail. Mitten durch Bayern ziehen sich breite Streifen krass unterversorgter Gebiete.
Aber es gibt auch Habenichtse dort, wo man flott ins Internet kann. In dem ganz proper ausschauenden Stadtteil im Südwesten Münchens, in dem ich wohne, gibt es haufenweise Haushalte, die nicht einmal einen Computer haben. Es sind vor allem alte Leute und kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund, die sich keinen PC leisten können. Letzte trifft es besonders hart; denn immer wieder verteilen Lehrer die Hausaufgaben auf CDs. In einigen Fällen habe ich helfen können, indem ich ausrangierte und zusammengebettelte Desktops verschenkt habe, ausgestattet mit Linux und Open-Source-Software. Ich möchte wetten, dass auf fast allen dieser Geräte inzwischen Windows und Spiele laufen, alles Raubkopien, ansonsten aber Open-Source-Anwendungen. Not schafft solche Verhältnisse.
So ärgerlich Windows und Raubkopien auch sind, schlimmer ist, dass PCs und Breitband-Internet offenbar nichts beitragen zu Bildung, demokratischer Teilnahme am öffentlichen Leben sowie allem, was mit Arbeit und Beruf zu tun hat. Denn was machen die Leute mit ihren Rechnern? Sie surfen, downloaden Musik und Filme, tummeln sich in nutzlosen sozialen Netzwerken wie Facebook und haben im Übrigen nicht den geringsten Schimmer von den damit verbundenen Gefahren.
Das ist „not-working“ und eröffnet eine andere Art der digitalen Kluft: fehlendes Wissen über die Möglichkeiten der digitalen Welt. Auf diese Entwicklung hat Danica Radovanovic in einem Blog der Publikation „Scientific American“ hingewiesen. Sie kommt zu diesem Schluss: „What is important to emphasize is that these digital divides, that go far beyond the pure infrastructure issues, need to become a key focus of engagement for profit and nonprofit organizations as they continue their missions to develop programs for social and digital inclusion.“
Radovanovic moniert „lack of awareness and promotion, digital illiteracy, lack of motivation, information gate keepers, human and economic factors“. Wie es dazu kommt, hat Simon Phipps, der einstige Open-Source-Chef von Sun, in seinem „Computerworld-UK“-Blog an Beispielen beschrieben: Schüler werden in der Anwendung proprietärer Software ausgebildet, statt ihnen anhand von Open Source die Vorteile der Partizipation aufzuzeigen. Erwachsene halten Computer für unergründliches High-Tech-Zeug. Immer wieder soll der Internet-Zugang reglementiert werden. Informationen der öffentlichen Verwaltungen gibt es nur gegen Bezahlung. Schutz der Privatsphäre läuft auf Geheimhaltung hinaus. Politiker ohne IT-Kenntnisse lassen sich von Wirtschaftsinteressen und Einflüsterungen der Lobbyisten leiten.
Allerdings scheint es mir nicht hinreichend, nur an diesen Punkten anzusetzen, um die neue digitale Kluft zu schließen. Es wird jedoch klar, dass Forderungen wie nach Open-Source-Software oder Open Data Ansätze sind, die weit über ihren technischen Inhalt hinausgehend eine gesellschaftliche Dimension haben.
19. December, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Ursprünglich ging es nur um das Patentrecht. Es ist seit einigen Jahren klar, dass die verschiedenen nationalen Gesetze in Europa ziemlich überholt sind. Insbesonders lassen sie sich nicht klar auf Software anwenden. Durchaus sinnvollerweise gibt es keine nationalen Initiativen in dieser Richtung. Vielmehr beschäftigt sich die EU-Kommission mit dem Thema, denn ihre Vorgaben müssen die Mitgliedsländer dann in ihre Gesetze einfließen lassen.
Herausgekommen ist dabei nichts Konkretes, und das hat damit zu tun, dass in Brüssel eben Politik gemacht wird, nicht nur von EU-Kommissaren und -Parlamentariern, sondern auch von Lobby-Gruppen mit guten Connections und noch mehr Finanzmitteln. Das Ergebnis ist zwiespältig. So finden sich immer wieder pragmatische Positionen gegen die Auswirkungen des bestehenden Patentrechts mit ihren Patenten auf banale oder schon da gewesene „Erfindungen“. Andererseits mauschelt auch die EU mit in einem Kreis, der ein Handelsabkommen gegen Produktpiraterie, ACTA, durchzudrücken versucht, das effektiv auf eine Fortschreibung des bisherigen Patentrechts hinausläuft.
Doch inzwischen geht es um einen noch wesentlich sensibleren Punkt; das Urheberrecht. Die EU-Kommissarin Neelie Kroes, zuständig für die „Digitale Agenda der EU“, hat es in diesem Jahr zur Diskussion gestellt. Ihre Begründung: Die Produktpiraterie hat das Urheberrecht nicht aufgehalten, und die große Masse der Urheber von Werken aller Art hat nichts davon, bekommt keine nennenswerte Vergütung. Was ich als Autor bestätigen kann; aber mir wäre weniger an mehr Geld von der Verwertungsgesellschaft Wort gelegen, als an besseren Honoraren der Verlage.
Wer Urheberrechte hat, sollte sich nicht von der Hoffnung leiten lassen, es könne sich in absehbarer Zeit etwas bessern. Vielmehr könnte sich durchaus etwas verschlechtern. Ganze Wirtschaftszweige würden das Urheberrecht herzlich gerne ganz verschwinden sehen. Ihre Lobbytruppen bringen sich jetzt in Brüssel in Stellung. In den USA diskutiert die Legislative gerade einen Gesetzentwurf „Stop Online Piracy Act“ (SOPA). Der würde sogar im Namen des Urheberrechts zu einer Beschränkung der Internet-Freiheit führen – bis hin zur Selbstzensur der Urheber. Und was aus den USA kommt, findet sich in der Regel eher früher als später in Europa wieder.
Es ist also Vorsicht angesagt, wenn aus Brüssel im ersten Moment ganz gut klingende Denkansätze kommen. Gerade EU-Kommissarin Neelie Kroes hat sich mit einigen Formulierungen dieser Art in Open-Source-Kreisen einen Namen gemacht. Aber kürzlich hat sie auch den einstigen CSU-Shooting-Star, Graf Karl-Theodor zu Guttenberg, als Berater der EU-Kommission in Sachen Internet-Freiheit engagiert. Der ist nicht nur als Raubkopierer aufgefallen, sondern wollte zu seinen Zeiten als Bundesminister auch ein Gesetz durchbringen, was es der Polizei ermöglicht hätte, geheime Listen von Internetseiten zu führen, die im Notfall vom Netz zu kappen wären.
Also bitte keine Euphorie über Verlautbarungen aus Brüssel. Vielmehr muss sich die Open-Source-Bewegung endlich Gedanken machen, wie sie ihre Interessen in den Gremien der EU besser als bisher vertreten kann. Bisher gibt es da nämlich nur Connections von Einzelpersonen und gelegentliche Auftritte der Open-Source-Prominenz. Lobby-Arbeit finden wir ohnehin eher widerlich. Aber wir brauchen in Brüssel eine bessere Interessenvertretung.
18. December, Elmar Geese, Elmar Geese
Ich mag Robin Dutt.h Er ist kompetent, ruhig und von freundlicher Sachlichkeit sowie sachlicher Freundlichkeit. Dutt ist so sympathisch dass ihm niemand die schlechte Lage bei Bayer04 gönnt, die er verantworten muss.
Fraglos hat Hans Meyer recht, wenn er uns Laien die Kompetenz abspricht, Fussballtrainer wirklich zu verstehen. Allein an der mangelnden Kompetenz liegt es nicht. Verständnis haben wir nur wenn wir verstehen. Das setzt im komplizierten Geflecht der Ursachen und Wirkungen, denen das Fussballspiel unterliegt, voraus, dass uns erklärt wird, was der Plan ist.
Das die eigene Taktik im Spiel oder auf dem Transfermarkt nicht veröffentlicht wird, ist naheliegend und auch gar nicht erforderlich, wenn es zum Beispiel um die Frage geht, warum es bei Bayer4 anders laufen soll als gestern, dem 17.12.2011 gegen Nürnberg. Wie da 0:3 verloren wurde, war entsetzlich anzusehen. Niemand ausser Ballack ist in der Lage eine Ball aus dem Mittelfeld nach vorne zu spielen. Letzte Saison waren da Kroos und Vidal. Jetzt baut Bayer04 auf einen einzigen 35jährigen, der noch dazu die Kapitänsbinde nicht tragen darf, trotz erprobter Eignung, insbesonders in Krisensituationen. Ein roteriender Kapitän Rolffes bringt nichts. Eine Mannschaft, ein Kapitän, und der ist gesetzter Stammspieler. Das ist eigentlich ganz einfach.
In der Verteidigung fehlt offensichtlich die ordnende Hand, die Ruhe und Respekt ausstrahlt. Da, wo früher ein Sami Hyppiä spielte, sind jetzt der wackere Manuel Friedrich oder der begabte Toprak, der aber noch nicht dort ist, wo er hinkann. Schürrle und Sam haben noch Luft nach oben. Der beste Torschütze Leverkusens ist der unkonstante Derdiyok mit 6 Treffern von insgesamt 22 in 17 Ligaspielen. Dafür kann ein Trainer nichts, aber Verstärkungen tun Not. Denn ginge es nach Toren, dann wäre Leverkusen gleichauf mit Mainz(14.).
Die Spieler sind sicherlich nicht schlecht. Es jedoch gelingt Dutt trotz fantastischer Auswärtsquote und Planerfüllung in der CL nicht, dass Gefühl zu vermitteln, Herr der Probleme zu sein. Er wirkt hilflos, irritiert und erschrocken, dass wenn Plan nicht aufgeht, seine Strategie nicht funktioniert. Vielleicht ist auch er, wie manche Spieler, noch nicht da angekommen, wo er hingehört. Da er müde und überfordert wirkt, wäre es vielleicht das Beste für ihn, über eine Pause nachzudenken, um ihn, die Mannschaft und die Fans zu schützen, die sich sowas wie gestern nicht zum ersten Mal in dieser Saison ansehen müssen.
Da trifft es sich doch gut, das Markus Babbel seid heute wieder auf dem Markt ist…
16. December, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Ein guter Administrator kann, so hat VMware dem Autor einmal erklärt, gleichzeitig etwa 40 virtuelle Maschinen überwachen und steuern. Dabei ist vorausgesetzt, dass er die ziemlich ausgefeilten und teuren Admin-Tools des Anbieters verwendet. Immerhin ist diese Zahl ein Vielfache dessen, was ein Administrator an physikalischen Servern schafft, wobei hier neben den Applikationen auch der Typ und die Größe der Server eine erhebliche Rolle spielen.
In der Linux-Welt ist man noch nicht so weit wie bei VMware. Hier dominiert klar der in Linux integrierte Hypervisor Kernel-based Virtual Machine (KVM). Dessen Beliebtheit hat sich noch deutlich gesteigert, seit im Mai 2011 die Open Virtualization Alliance gegründet wurde, die ihm noch mehr Schub verleihen soll. Anfang November traf sich die Allianz zu einem Workshop, um zu beraten, wie man KVM noch mehr Marktpräsenz verschaffen kann. Dabei wurde klar, dass es verschiedene Management-Tools für mit KVM virtualisierte Umgebungen gibt, allen voran Red Hats „Enterprise Virtualization“ oder „libvirt“ und „v2v“. Aber das sind keine integrierten Komponenten.
Das wird sich demnächst ändern. Canonical, Cisco, IBM, Intel, NetApp, Red Hat und Suse haben sich zusammengeschlossen und das Open-Source-Projekt „oVirt“ gegründet. Es soll eine umfassende Lösung zur Administration von KVM-virtualisierten Servern schaffen. Die Grundlage dazu wird das Produkt Enterprise Virtualization, das Red Hat als Open Source verfügbar gemacht hat.
oVirt wird die Admin-Umgebung für KVM. Das Projekt verfolgt ziemlich ambitionierte Ziele, die alle Administrationsprobleme der Virtualisierung adressieren. Das Management-Tool soll die Verfügbarkeit der virtuellen Maschinen durch präzisere Steuerung ihrer Komponenten (CPU-Anteil, RAM, I/O-Bandbreite etc.) steigern, Live-Migration vereinfachen, einen einfach nutzbaren System-Scheduler mit sich bringen, das Storage-Management umfassen und mehr. Das Ganze wird aus verschiedenen Einzellösungen bestehen, die separat oder als integriertes Tool zu verwenden sind und sich folglich einzeln weiterentwickeln lassen. Das Projekt geht soweit, dass „Building Blocks“ zur Einrichtung von Private oder Public Clouds entstehen sollen.
Angesichts der am Projekt beteiligten Gründungsfirmen ist davon auszugehen, dass oVirt sogleich der Management-Standard in virtualisierten Linux-Umgebungen wird. Das Projekt wird nicht nur für Anwender und Anbieter interessant, die intensiv auf Virtualisierung setzen. Es dürfte auch Auswirkungen dort haben, wo es Intentionen in Richtung Open Cloud gibt. Wer sich frühzeitig darauf einstellen will, ist gut beraten sich mit der bedeutendsten Grundlage, Red Hats Enterprise Virtualization bekannt zu machen.
15. December, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Wir haben mittlerweile erfahren, dass immer mehr Kubaner daheim oder an Schaltern der Telefongesellschaft ETESCA auf E-Mail-Programme zugreifen. Wenn es nicht wieder einen Stromausfall gibt, können die correos electronicos meist mühelos gesendet und empfangen werden. Web Provider haben wir bisher jedoch nur in den großen Hotels und zum Touristentarif entdeckt. Es gibt sie aber auch an den universitären Fakultäten. Heute besuchen wir die “Catedra Humbold de Cuba”.
Ein verschmitzt lächelnder Mann mit so etwas wie Rastalocken öffnet uns die wurmstichige Tür des heruntergekommenen Baus im Kolonialstil. Auf dem Weg in den ersten Stock stellt er sich auf Deutsch mit österreichischem Akzent als Ricardo, Herr ueber das Chaos, vor. So präzise diese Jobbezeichung ist, so sehr lädt sie im verwunschenen Inneren des Gebäudes auch zu phantastischen Assoziationen ein.
Ein magere Katze huscht hinter eine Säule, ein Hund bellt in der Ferne, eine Grille zirpt im Zimmer. Doch halt! Die Grille ist ein Computer, der schwungvoll verkabelt neben einem Ensembel aus Bergsteigerschuhen und einem aufgebauten Zwei-Personen-Zelt vor sich hinflackert. Bergsteigerschuhe? Eine Huldigung an die Orishas, jene afrokubanischen Gottheiten, die…
“Nächste Woche ziehe ich nach Österreich”, unterbricht Ricardo unsere Gedanken. “Ich heirate kirchlich in den Alpen.” Er zuckt mit den Schultern und lacht ein unwiderstehliches Lachen. “Folklore hat mich schon immer fasziniert. Und exotische Länder.”
So interessant sein Plan ist, wir sind hier, um über IT zu reden. Die Studenten wohnen meist in Heimen mit Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern, zu denen je ein Computer mit Internetzugang gehört. Die 100 Megabyte Traffic pro Monat wollen gut eingeteilt sein. Facebook, youtube oder MSN sind angeblich nicht zugänglich.
“Die Zensur funktioniert durch zwei Einstellungen”, verrät uns Ricardo. “Die der Proxyserver und die der Leute. Viele haben einfach Angst.”
Wir verstehen. Irgendwie weiß man nie, was passieren kann und was nicht. In manchen staatlichen Betrieben sind nur urls mit der Endung “cu” zugelassen. In anderen geht alles, aber plötzlich bittet der Chef zum Gespräch. Nach dem Einbruch des Zuckerimports und der Einsicht, dass die Einnahmen aus dem Tourismus zu schwankend sind, hat der fidele Castro die Entwicklung von Software als Einnahmquelle ins Visier genommen. Dazu braucht es Netzzugang. Aber ein bisschen Kontrolle muss schon sein.
Wir surfen mit Ricardo zu heise, tarent und einem Moorhuhn-Spiel. Als er kurz auf dem Klo verschwindet, wollen wir unser Kreditkartenguthaben bei American Express checken. Zackbumm – die Seite wird blockiert.
“Seid ihr verrückt?”, will unser zurückgekehrter Gewährsmann wissen. Wie beim Keksemopsen erwischte Kinder blicken wir zu Boden. Hoffentlich bekommt der gute Wahlösterreich nicht zum Schluss noch Ärger.
“Ja, was glaubt ihr denn”, sagt Ricardo kopfschüttelnd. “Die Ami-Banken blockieren die Zugriffe aus Kuba. Ist doch klar.”
Ach so.
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Lesen Sie nächste Woche ein hochinformatives Interview mit einem kubanischen Informatikstudenten.
12. December, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Den Dezember über befindet sich die KNN-Redaktion zu Besuch in einer der sympathischsten Diktaturen der Welt. Das Interesse unseres wackeren Teams gilt jedoch nicht allein dem real kollabierenden Kommunismus oder Zigarren, Rum und dieser scharfen Sauce, die die Leute hier mit einem unsubtilen Balztanz verwechseln. Vor allem wollen wir etwas über die IT im Land wissen. Um uns darüber informieren zu können, müssen wir jedoch erst einmal ins Internet.
Habana Vedado, 12.00 Uhr mittags. Schwarze Stutzgeier kreisen im wolkenlosen Himmel um das “Habana Libre”, ein imposant-hässliches Hotel, das den Rebellen nach der Revolution als Regierungssitz diente. Einheimische munkeln, dass es hier etwas gibt, was 90% der Kubaner noch nie zu Gesicht bekommen haben: Das Internet.
“Internet?”. Der wettergegerbte Strassenverkäufer lässt die Hand mit den riesigen, günstig feilgebotenen Joints sinken, in denen sich allerdings nur Erdnüsse befinden. “Ich dachte, das sei eine Mär aus den USA, eine Fabel, um den einfachen Kubanern den Kapialismus schmackhaft zu machen.”
Ein Taxifahrer mischt sich ein: ”Doch, das gibt’s. Der neuste Schrei des New Age. Das Weltwissen soll sich bündeln, die Menschheit wird superschlau, vernetzt sich und führt mühelos einen Paradigmenwechsel herbei: hin zu einer offenen Gesellschaft voller Egalität, Transparenz und Solidarität.”
Wir nicken anerkennend. Der gut informierte Taxifahrer gibt sich als nebenberuflicher Professor für nicht angewandte Molekular-Medizin zu erkennen und deutet auf das Habana Libre. “Da gibt’s Internet. Da gehts lang zu eurem ”Global Village” fuer die happy few.”
Tatsächlich existieren in der klassenlosen Gesellschaft Kubas zwei Klassen: Menschen, die das staatliche Spielgeld “moneda nacional” (CUP) besitzen und solche, die auch über Pesos Convertibles (CUC) verfügen. Das Monatsgehalt des Professors liegt bei 400 CUP. Das entspricht gut 16 CUC. Mit dieser Summe könnte er im Habana Libre 90 Minuten im Internet surfen, was etwa 45 Minuten mit DSL-Geschwindigkeit entspricht.
Im Hotel ist es angenehm kühl und ruhig. Auch weicht in Inneren des Baus die Hässlichkeit der Fassade einem mondänen Charme. Im ersten Stock finden wir das “Havana Business Center”. Eine missmutige Frau in Uniform nimmt uns in Empfang. “Personalausweis hinlegen, Rubbellos kaufen und dann die Nümmerchen in den Feldchen freirubbeln und in die Feldchen auf dem Rechnerchen eintragen”, erklärt sie barsch, aber in erstaunlich fließendem Spanisch.
Wir setzen uns in eine Box. Aus Lautsprechern tönt Fahrstuhlmusik. Wir rubbeln, wir tippen, wir warten. Während des Wartens haben wir Gelegenheit uns kubanische Gerüchte ueber das Internet durch den Kopf gehen zulassen: Es funktioniere dank japanischer Satelliten, behaupten die einen. Ein riesiges Glasfaserkabel aus Venezuela werde es bald richtig flott machen, sagen andere. Es gebe geheime, illegale Internetbuden; 2 CUC die Stunde und superschnell, geben uns Dritte zu verstehen.
Ah. Das Netz ist da. Wir können auf alle erdenklichen Seiten surfen: World of Warcraft online, youporn, Internetauftritt der vereinten Exilkubaner e.V. Sogar regimekritische Blogs wie “Generacion Y” von Yoani Sanchez oder Claudia Cadelos “Octavo Cerco” (8. Kreis) sind zugänglich. Wie die anderen putzmunteren BlogerInnen der Karibikinsel müssen Sanchez und Cadelo ihre Beitraege per Telefon oder Mail an eine Vetrauensperson im Ausland mitteilen, die sie dann postet. Ein gefährliches Unterfangen, behauptet unser Reiseführer von Dumont. Wir wollen solche unkalkulierbaren Risiken vermeiden und posten unseren Beitrag lieber gleich selbst. Mal schauen ob und wann er ankommt.
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Lesen Sie nächste Woche mehr ueber IT in Kuba. Dann werden wir uns mit Mails, Zensur und den Universitäten befassen.
06. December, Ludger Schmitz (freier Journalist), tarent
Open Data, also die programmatische Forderung, wonach viele Informationen der öffentlichen Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen, gewinnt auch hierzulande an Boden. Die ersten Ansätze waren noch sehr zaghaft, und die dafür notwendigen Portale wurden aufwendig implementiert. Anders zum Beispiel in den USA: Die Obama-Administration präsentiert fast 400.000 Datensätze auf ihrer Open-Data-Plattform Data.gov.
Jetzt hat die US-Regierung auch noch deren Basis, die „Open Government Platform“, als Open Source veröffentlicht (Download). Diese Softwarekompilation versteht sich als „Data.gov-in-a-Box“. Sie soll es vereinfachen, Open-Data-Portale anzulegen. Es wird auf dieser Grundlage künftig wesentlich weniger Aufwand verursachen, durch Öffentlichkeit mehr Demokratie zu schaffen. Das bei Öffentlichkeitsverhinderungsstellen beliebte Kostenargument ist geplatzt.
01. December, Anselm Neft, Kaotic Nerd News
Am 6. Dezember findet in München der IT-Gipfel der Bundesregierung statt. Dort wird der IT-Branchenverband Bitkom zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine vom statistischen Bundesamt abgeschriebene Studie präsentieren, die belegt: 18% der deutschen Unternehmen sind ohne Internet nicht mehr denkbar. Auf der anderen Seite sind jedoch auch 18% noch immer offline. KNN fragte Bauer Harmstorf, einen der Nicht-Nutzer, was da los ist.
KNN: Herr Harmstorf, Sie sind einer der 450 von 2500 Befragten, die behaupten, für ihr Unternehmen kein Internet zu nutzen.
Harmstorf: Jo.
KNN: Was denken Sie sich dabei?
Harmstorf: Ich mach Dinge gerne gründlich.
KNN: Das heißt?
Harmstorf: Erst mal muss ein taylor suited Enterprise Resource Planning her. Nicht irgend so ein Gefrickel vom Krauter aus dem Nachbarort. Da werde ich schon ein paar Anzugträger hier antanzen lassen. Machbarkeitsanalyse, Pflichtenheft – der ganze Schnickschnack.
KNN: Klar.
Harmstorf: Dann ein Intranet und ein wirklich sicheres, nachskalierbares Identity-Access-Management. Die Nutzer-Rechte müssen da ganz klar zugewiesen sein.
KNN: Sehr gut. Wie viele Mitarbeiter sollen in das IAM eingebunden werden?
Harmstorf: Na, ich, mein Sohn und meine Frau. Und dann brauchen wir ein mit dem ERP verzahntes CRM, also ein Cowhouse-Relationship-Management, das hochfunktional und zugleich übersichtlich ist. Ich denke über eine Komplett-Lösung von SAP nach. Am besten doch gleich was Richtiges.
KNN: Was ist mit einem Webauftritt?
Harmstorf: Der kommt dann ganz zum Schluss. Mein Vorbild ist die informative Homepage der Metzgerei Magnus Bauch. Gerade der Eintrag und das Familienfoto unter „Unsere Philosophie“ haben mich überzeugt. Ein Bild sagt ja mehr als 1000 Worte. Ich frage mich nur, wo ich so ein Rasseweib hernehmen soll.
KNN: Dann sind Sie also kein ewiggestriger Internetverweigerer, sondern ein sehr besonnener künftiger IT-Nutzer?
Harmstorf: Jo. Sobald der Hof ans Stromnetz angeschlossen ist.
KNN: Wollen Sie mich verarschen?
Harmstorf: Wer hat denn angefangen?
29. November, Thorsten Glaser, EvolvisForge Blog
As reported earlier we’ve got some kind of Jenkins/APT integration, with automatically generating as many repositories as a job desires.
News are that the builds host has moved, so the URIs to the repositories have changed. The new syntax is https://ci-something.lan.tarent.de/ for the Jenkins ⇒ “deb https://ci-something-debs.lan.tarent.de/jobname/ distribution suite …” and currently only usable in the company-internal network.
We’ve also got some more magic mksh code to automate the entire process – check the code out from SCM (required, as Jenkins’ svn checkouts are broken), build a Debian source package, NEW! ask cowbuilder to compile it in a clean chroot environment, and call mvndput.sh for APT repository publication. Sample projects are ci-evolvis/virtualscreen (git) and ci-dev/portal-setup (svn). Talk to me if you have any questions.
This allows for a one-line “run a shell command” build step!
Everybody else is, of course, invited to take and re-use our code, and maybe even improve upon it and submit that back. It’s all Open Source, after all.
tl;dr Jenkins Jobs now have integration with cowbuilder. There’s a new script to automate the whole build pipeline. The APT repositories have moved with the recent move.
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